ENDOMETRIUM-SCRATCHING

Anritzen der Gebärmutterschleimhaut

Was ist Endometrium-Scratching?
Mehrere Studien an IVF Patientinnen haben gezeigt, dass das leichte Anritzen der Gebärmutterschleimhaut (Scratching) in der Gelbkörperphase des dem Stimulations-bzw./Transferzyklus vorangehenden Zyklus die Implantationschancen und die weitere Entwicklung  der Schwangerschaft bis hin zur Lebendgeburtenrate signifikant verbessern kann.
(Nastri et al: Cochrane Database Syst Rev 2012 Jul11; 7:CD009517.doi:10.1002/14651858.CD009517.pub2.)

Wie wird das Endometrium-Scratching durchgeführt?
Bei der Scratching Methode wird zwischen dem 21. und 24. Zyklustag mit einem sehr dünnen Einmal-Sauger (Pipelle) eine geringe Menge Gebärmutterschleimhaut von der Vorder- und Rückwand, sowie von den beiden Seitenwänden der Gebärmutterhöhle durch den Gebärmutterhals hindurch gewonnen, was in aller Regel nicht schmerzhaft ist. Lassen Sie für diesen Eingriff die Blase bitte voll! Bei weitergehenden speziellen  Fragestellungen kann das so gewonnene Material zur histologischen Untersuchung eingesandt werden.

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Welche Risiken gibt es bei der Duchführung?
Die möglichen Risiken und Nebenwirkungen der Methode sind als gering einzustufen: Es kann zu leichten Blutungen kommen und es besteht ein sehr geringes Entzündungsrisiko der Gebärmutter, was jedoch prinzipiell nicht den Einsatz einer vorbeugenden Antibiotikagabe rechtfertigt.

Was sind die Hintergründe der Methode?
Die Einnistung eines Embryos in der Gebärmutterhöhle ist ein sehr wichtiger Schritt auf dem Weg zur erfolgreichen Schwangerschaft. Die  Einnistung ist das Ergebnis des aktiven Zusammenwirkens eines entwicklungsfähigen Embryos und einer empfangsbereiten Gebärmutterschleimhaut. Neben der Fähigkeit des Embryos, in die Schleimhaut einzuwandern und mit den kleinsten mütterlichen Gefäßen Kontakt aufzunehmen, hängt der Erfolg einer Einnistung auch von den in der Schleimhaut vorhanden Wachstumsfaktoren und Cytokinen (von Zellen des Immunsystems ausgeschüttete Proteine, die der örtlichen Signalübertragung dienen) ab. Den genauen Wirkmechanismus des Scratchings hat man noch nicht verstanden, nimmt aber an, dass durch diese gewollte leichte Verletzung Prozesse in Gang gesetzt werden, die die Signalgebung aktivieren und damit die Einnistung (Implantation) fördern.

Wer sollte das Scratching durchführen lassen?
Hat man 8-10 kompetente Embryonen transferiert, das heißt Embryonen, die nach den biologischen Kriterien ein hohes Einnistungspotential zugeschrieben wurde, ohne dass die gewünschte Schwangerschaft eingetreten wäre, so muss u.a. eine inadäquate endometriale Rezeptivität vermutet werden. Es sollten also Patienten mit einem so genannten Implantationsversagen von dieser Methode profitieren.